Nach einer " Specification derer Brüder welche S. Sebastiani Tag 1770 sich annoch beym Leben vorgefunden haben " wurden 57 Schützenbrüder aufgeführt. Der Sterbelade von 1840 waren 92 Schützen beigetreten. Als die Bruderschaft 1909 erstmals in das Vereinsregister beim Königlich-Preußischen Amtsgericht zu Ratingen eingetragen wurde, hatten 139 Mitglieder die neue Satzung unterzeichnet. Ende 1934, inzwischen war die Bruderschaft Rahm, die seit jeher die 2. Kompanie der Bruderschaft Angermund-Rahm gebildet hatte, selbständig geworden, zählte unsere Bruderschaft 122 Mitglieder. Am 27. Januar 1945 versammelten sich die verbliebenen 28 Mitglieder zur letzten Jahreshauptversammlung während des Krieges. Nach dem Krieg blühte die Bruderschaft aber wieder auf. 1947 hatte sie schon wieder 62 , 10 Jahre später 226 und 1962 waren es 254 Mitglieder. 1986, im 475. Jahr ihres Bestehens, zählte die Bruderschaft 475 Mitglieder. 2006, nachdem beschlossen worden war auch Frauen in die Bruderschaft aufzunehmen, sind es 480 Schützenschwestern und -brüder.
Ein eindrucksvolles Beispiel für die Verwirklichung der bruderschaftlichen Ideale ist die Gründung einer Kranken- und Sterbelade im Jahre 1840. Das war eine Kasse zur Selbsthilfe, in die alle Schützenbrüder Beiträge einzahlten, um im Falle der Not oder Bedürftigkeit eine Hilfe zu erhalten. Erst die Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung für Arbeiter im Jahre 1883 minderte ihre Bedeutung. Die Lade war somit die Vorgängerin unserer heutigen Sterbegeldkasse
Immer wieder leistete unsere Bruderschaft außergewöhnliche Ausgaben nicht nur für soziale Zwecke, sondern auch für die St. Agnes Kirche zu Angermund. 1879 beschloss die Bruderschaft einstimmig einen St.Sebastianus-Altar in Auftrag zu geben, der 1880 in der Kirche aufgestellt wurde. Im Jahre 1900 zahlte die Bruderschaft 1000 Mark für den Anstrich und die Ausmalung der Kirche.
Im Verlaufe der Jahrhunderte musste die Bruderschaft in Kriegszeiten auf Vereinsleben und Feste verzichten. Sie hat sich immer wieder erholt und erneuerungsfähig gezeigt wie z.B. nach der "Franzosenzeit" und den Freiheitskriegen.
Eine besonders schwere Bewährungsprobe hatte die Angermunder Bruderschaft während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu bestehen. Die Nationalsozialisten versuchten sie, wie alle konfessionellen Vereinigungen, in einen weltlichen Verein umzuwandeln und in den Reichssportverband einzugliedern. Man nannte das " Gleichschaltung".
Als die Mitglieder auch 1936 noch einstimmig für die Beibehaltung der christlichen Bruderschaft stimmten, verbot die Geheime Staatspolizei das Schützenfest 1936 und auch das beabsichtigte Familienfest. Verhandlungen mit der Partei brachten keine befriedigenden Ergebnisse, die Bruderschaft beschloss, in jedem 3. Monat gemeinsam zur hl. Kommunion zu gehen und danach einen religiösen Vortrag zu hören. Für damalige Zeiten äußerst mutige Entschlüsse. Da zu befürchten war, dass die der Bruderschaft gehörenden Grundstücke enteignet würden, wurden diese verkauft und der Erlös der Kirche zur Verfügung gestellt.